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In der Zeit zwischen 1880 und 1930 begeisterte das Nichtessen als Kunst die Menschen in zahlreichen Metropolen. Im Zirkus und in Varietés, in Vereinshäusern, Cafés und Restaurants traten die Virtuosen der Selbstkontrolle vor einem Massenpublikum auf. Als medizinische Probanden trugen sie zudem zur Entwicklung des Wissens über Nahrungsverzicht und seine Folgen bei. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts tauchte Hungerkunst als Bestandteil künstlerischer Selbstexperimente wieder auf, etwa bei George Tabori oder Marina Abramovic. Es ging nicht mehr um Schlankheit und Willensstärke, sondern um authentische Selbsterfahrungen, um Protest oder die Suche nach Heilung. Dem wenig bekannten Phänomen geht die Theaterwissenschaftlerin Barbara Gronau auf den Grund. Presseberichte, Fachzeitschriften und medizinische Fallstudien, Probenprotokolle und Werbematerial zeigen, dass die Hungerkunst mehr ist als ein Kuriosum der Artistengeschichte: Sie prägte das moderne Körperverständnis ebenso wie den medizinischen Diskurs.
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